Für Monte Cassino gibt es kein Vergessen

22 Teilnehmer waren vom 15.05 – 24.05. 13 zu einer Busreise nach Cassino aufgebrochen, um die alljährlichen Gedenkfeiern anläßlich der Beendigung der Kämpfe um Monte Cassino am 18.05.1944 zu veranstalten. Nur noch ein Veteran konnte diese Reise auf sich nehmen: Soldat Kurt Seib (92). Nach einer Zwischenübernachtung in Leifers/Südtirol erreichte die Gruppe ihr Quartier im Hotel Rocca in Cassino. Am ersten Tag führte die Fahrt durch die wildromantischen Abruzzen nach Ortona an der Adria. Über die sogen. „Todeskreuzung“ unterhalb des Ruinendorfes San Pietro Infino ging es zunächst nach Venafro. Unterwegs erläuterte Ernst Krug die verschiedenen militärischen Strategien, die mit der Landung der Aliierten auf Sizilien begannen und kurz darauf so dramatisch eskalieren sollten. Krug erklärte dieVerteidigungsmaßnahmen entlang der Winterlinie (Bernhardlinie) auf den von West nach Ost ziehenden Anhöhen, und zeigte,wo die einzelnen Stellungen lagen . Heiß umkämpft war die Stadt Orsonia. Das 25.Bataillon griff an und besetzte sie am 02.09.1943. Doch die 26. Panzerdivision beendete durch ihr plötzliches Auftauchen den Erfolg der Alliierten. Ihr Hauptzugang nach Cassino und zur Gustavlinie führte durch die Mignano-Enge. Am 01.12.43 waren die Alliierten bis hierher vorgedrungen. Dem hochgerüsteten 5.Amerikanischen Corps hatten die Deutschen nur wenig entgegen zu setzen. 6 Tage dauerten die erbitterten Kämpfe. Aus 756 Geschützen wurden 197000 Granaten auf den Monte Canino abgefeuert. Um den Berg einzunehmen, sollten die Artilleriebeobachter ausgeschaltet werden . In Ortona, dem Landeplatz der Neuseeländer starben damals 400 Deutsche Fallschirmjäger und 650 Neuseeländer. Besonders hart traf es die Küstenstadt Foggia mit ihren 13 Flughäfen. -In Ortonas Altstadt wurde in einer landestypischen Pizzeria eingekehrt und anschließend das Militärmuseum besucht. In großformatigen Foto-Reproduktionen zeigt es vor allem das Leiden der Zivilbevölkerung. Auf der Rückfahrt wurde die eindrucksvolle Kathedrale von Campobasso besichtigt. Eine Amerikanerin hatte damals mit Hilfe einer Stiftung den Grundstein gelegt. Einen eher stillen Ausklang des Tages bildete der Besuch des französischen Friedhofs in Venafro mit über 3000 Gräbern.

Am Sonntag, dem 19.05.13 fand auf dem Deutschen Friedhof in Caira die Gedenkfeier statt. Ernst Krug, Vorsitzender der Deutschen Monte Cassino Vereinigung DMCV begrüßte die Teilnehmer zum 69. Jahrestag der Beendigung der Kämpfe. Anwesend war auch eine Abordnung der 36. US-Texas Infanteriedivision und der Bersaglieri, Scharfschützen im italienischen Heer. Veteran Kurt Seib nahm unter dem Hochkreuz einen Ehrenplatz ein. Der Deutsche Militärattaché Benedict von Andrian-Werburg erinnerte in seiner Ansprache an die Gefallenen aus 24 Ländern. Sie mahnten uns, es besser zu machen, gemeinsam für Frieden und Freiheit einzutreten und unsere heutigen Werte zu bewahren. Sich vor den Opfern zu verneigen sei Ausdruck von Trauer und Dankbarkeit. Für die MC-Stiftung gedachten Michele Di Leonardo der Gefallenen und der zivilen Opfer, für die 36. Texas Infanteriedivision war es deren Divisionskommandeur. Die Friedensgebete sprach P. Antony . Kränze wurden nieder gelegt. DMCV – Vorsitzender Ernst Krug brachte seinen Dank an die Soldaten zum Ausdruck .Wer die Opfer vergesse, lasse sie ein zweites Mal sterben, die Fülle des Leids, das aus dem Drama von M.Cassino entstand, sei nicht in Worte zu fassen, so Krug in eindringlichen Worten. Anstelle von Veteran Msgr.Hermann Völk sprach er ein persönliches Friedensgebet. Im Anschluß ehrte er acht italienische Kameraden mit Erinnerungsplaketten und Urkunden. „Il silenzio“ war auf der Trompete zu hören. Von Audi Westphal erklang das Lied vom Guten Kameraden auf der Mundharmonika. Mit einem Empfang in den Räumen der Deutschen Kriegsgräberfürsorge ging die Gedenkfeier zu Ende.- Am Abend hatten sich einige hundert Teilnehmer an der großen Friedensglocke in San Angelo eingefunden.Vom Stadtzentrum zogen verschiedene Abordnungen in die Amerikanische Gedenkstätte am Rapido ein. Der Kommandeur der 36. Texasdivision und Cassinos Bürgermeister Giuseppe Golini Petrarcone legten einen Kranz nieder. Sie betonten in ihren Ansprachen, ein solches Inferno wie 1943/44 dürfe es nie wieder geben Ein jeder sei aufgerufen, für Sicherheit und Frieden einzutreten. Die Ereignisse von damals seien Mahnung, Leid und Tod nicht zu vergessen. Durch ihre Botschaften waren Canada , Großbritannien, Neuseeland und Polen vertreten. Am Wasser des Rapido sprachen die Geistlichen des Ortes Friedensgebete und segneten die Kränze, die von der Brücke aus den Wellen übergeben wurden.

Während das Wasser die Botschaft vom Frieden hinaustrug in’s Land, versammelten sich in 1800m Höhe auf dem Colle Abate Italiener und Deutsche, um der Opfer der 44. Infanteriedivision der Hoch-und Deutschmeister zu gedenken. Sie lieferten damals sich schwere Abwehrkämpfe mit algerischen und marokkanischen Divisionen unter Französischer Führung. Auf dem authentischen Gefechtsfeld von 1943 zu stehen, hinterließ bei den Besuchern des Jahres 2013 einen bleibenden Eindruck. Nach den Kämpfen wurden Colle Abate und Belvedere von den Gegnern wechselseitig in Besitz genommen. Don Angelo Monzelli hielt den Gottesdienst und gedachte in seiner Ansprache der Gefallenen. In Terelle war es ein besonderes Erlebnis, mit wieviel Herzlichkeit die Deutschen empfangen wurden. Das brachte auch der Bürgermeister zum Ausdruck, als er bei einem kleinen Empfang im Freien die Besucher willkommen hieß und ihren Besuch würdigte. Bei soviel Freude und Sympathie fiel der Abschied schwer.

Den nächsten Tag verbrachte die Gruppe in der Stadt Atana, einem Ort, der bereits vor den Römern besiedelt war. Dr.Visocchi führte die deutschen Gäste durch das Archäologische Museum, Dolmetscherin Claudia Fortuna zeigte die historische Innenstadt. Abends lud ein nahe gelegenes Weingut zu einer Weinprobe seiner Bio-Weine ein. – Ein ganz zentrales Erlebnis ist immer wieder das Kloster Montecassino hoch über der Stadt. Am letzten Tag führte Benediktiner Don Germano, assistiert von Dolmetscher Walter Jeanetta durch die prachtvolle Kirche, die Krypta, vorbei an Brunnen, Säulen und Wandelgängen. In Venafro zeigten zwei Brüder ihre militärische Sammlung im privaten Museum „Winterlinie“. In San Pietro Infino stand ein Gang durch das Militärmuseum und zum Italienischen Friedhof auf dem Programm. Später luden die Bersaglieri zu einem Pizza-Abend ein. Vorsitzender Mario Valente überreichte Ernst Krug eine Medaille. Dieser revanchierte sich mit einer Erinnerungsplakette. Dankesworte wurden ausgetauscht, Freundschaften bekräftigt. Nach dem „Il Silenzio“ auf der Trompete spielte Audi Westphal zum Abschied „Muß i’denn…“

Vor der Zwischenübernachtung in Südtirol trafen sich die Teilnehmer zu einem Kameradschafts- abend und ließen die Erlebnisse und Begegnungen noch einmal Revue passieren. Oberstleutnant a.D. Horst Liese dankte Ernst Krug im Namen aller für das Zustandekommen und die sorgfältige Organisation dieser Fahrt. DMCV-Vorsitzender Krug überreichte Urkunden an Sylvia und Manfred Rode sowie Helmut Dinter. Audi Westphal und Erika Müller erhielten das Stahlhelmabzeichen in Gold. Für die Unterhaltung sorgten Traka-Vorsitzender Kai-Michael Horst (Gitarre) und Audi Westphal (Mundharmonika ) Am nächsten Morgen brachte Busfahrer Jochen Haas die Italienfahrer wohlbehalten in die Heimat.

Erika Müller